Kategorie: Aktuell, Allgemein, Home, Neues aus dem JuZ

Stellungnahme von Julia Zimmermann (Jugendzentrum des Stadtjugendrings Weiden) vom 03.06.17:

PDF-Artikel )

„Die Jungs in meiner Klasse geben seit einem, eineinhalb, zwei Jahren ihr Bestes. Um hier Fuß fassen zu können. Um nicht mehr auf Hilfe angewiesen zu sein, sondern um ihr Leben selbstbestimmt und in Eigenverantwortung führen zu können. Und auf einmal geht das nicht mehr. Weil sie keine Ausbildung machen dürfen. Keine Genehmigung dafür bekommen, eine Vollzeitstelle anzunehmen. Abgeschoben werden sollen.“

Dies sind die Worte einer Lehrerin aus Neustadt über ihre Schüler bei der Kundgebung am 2. Juni 2017. Allesamt kommen Sie aus Ländern, in denen Krieg, Terror, Angst und Tod herrschen. Eines dieser Länder ist Afghanistan. Aus diesem Land kommt Karim. Seit 2 Jahren lebt er hier in Weiden und hat hier ein Zuhause gefunden. Doch jetzt soll auch er abgeschoben werden. Ein junger Mann, der seit Beginn dieses Schuljahres das Kepler-Gymnasium in Weiden besucht, hier Freunde gefunden hat, aktiv bei uns im Jugendzentrum, beim Netzwerk Asyl und im Arbeitskreis Asyl mitarbeitet. Ein junger Mann, der alles dafür tut, hier in Deutschland zu einer guten und funktionierenden Gesellschaft beizutragen. Der arbeiten möchte, anderen helfen möchte und sein Leben so leben möchte, dass er keine Angst davor haben muss, den nächsten Tag vielleicht nicht mehr erleben zu dürfen. Weil Karim für sich und seine Zukunft kämpft, hat er die heutige Kundgebung zusammen mit Jost Hess vom Arbeitskreis Asyl organisiert.

Die Geschichte, die Karim erzählt, verursacht Gänsehaut. Die Fakten, die Jost Hess und Veit Wagner ( Amnesty International ) aussprechen, machen einen fassungslos.

Es geht nicht darum, wahllos Menschen zu unterstützen und ihnen hier eine Chance in Deutschland zu geben. Denn wir dürfen nicht vergessen, böse Menschen gibt es überall. Unabhängig von Herkunft, Religion und Kultur.

ABER Menschen, die sich für sich und ihre Zukunft einsetzen, dafür arbeiten, dass es ihnen eines Tages besser geht, die sich INTEGRIEREN MÖCHTEN und alles dafür tun, sich hier einzufügen:
SIE ALLE HABEN ES VERDIENT, HIER FUSS FASSEN ZU KÖNNEN!

Seit Beginn der Flüchtlingswelle sind wir dazu aufgerufen, zu integrieren, die jungen Menschen (in der Jugendarbeit) Teil unseres Alltags werden zu lassen, mit ihnen einen Weg des Miteinanders zu finden. Wir im Jugendzentrum Weiden haben Projekte organisiert, Gespräche geführt, sind in den Dialog gekommen, und die jungen Menschen aus den Kriegsgebieten haben sich darauf eingelassen, sind Teil dessen geworden, was unseren Alltag ausmacht. Doch wie bleiben wir glaubwürdig, wie kann Integration auf Dauer gelingen, wenn die Grundlagen dafür nicht geschaffen sind? Wenn wir Integration fordern und fördern, um dann die jungen Menschen wieder wegzuschicken?

Als Träger der offenen Jugendarbeit spreche ich hier gerade für junge unbegleitete Flüchtlinge, die bis zu ihrer Volljährigkeit alles tun, um hier in Deutschland in Ausbildung zu kommen, sich eine Basis für ihre Zukunft zu schaffen. Junge Menschen, die als KINDER die Flucht aus ihrem Heimatland in Kauf nehmen, um die CHANCE auf eine ZUKUNFT zu haben.

Wie soll Integration gelingen, wenn es keinen Unterschied macht, ob sich ein junger Mensch einsetzt, alles dafür tut hier anzukommen oder einfach nur abwartet, ob er bleiben darf oder gehen muss oder sogar kriminell wird? Dies kann keine Grundlage sein, auf der Integration gelingen kann. Dies kann keine Grundlage sein, auf der wir unsere Arbeit glaubwürdig und sinnvoll durchführen können.

Integration kann nur gelingen, wenn die Angst vor Abschiebung
nicht als ständiges Damoklesschwert über den Köpfen der
jungen Menschen schwebt!